Hightech-Botschaften aus dem Herz

Das Herz ist eines der belastbarsten Organe des menschlichen Körpers. Es schlägt mehr als 100.000 Mal am Tag und pumpt dabei rund 8.000 Liter Blut durch unseren Körper. Wenn die Lebenspumpe nicht mehr richtig funktioniert, kann das für den Menschen sehr schnell lebensbedrohliche Folgen haben. So sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen nach wie vor die häufigste Todesurache in Deutschland. Hoffnungen für betroffene Patienten gibt es dank der modernen Medizintechnologie. In den letzten Jahren und Jahrzehnten hat die medizinische Forschung bahnbrechende Innovationen hervorgebracht, die jährlich Hunderttausenden von Menschen das Leben retten.

 

Joachim M. Schmitt
Joachim M. Schmitt

Den Takt vorgeben
Eine Revolution in der Behandlung von Herzerkrankungen war 1958 der Herzschrittmacher. Das erste implantierte Gerät lief zwar nur rund 24 Stunden, verlängerte – dank mehrerer Folgeimplantate – das Leben des ersten chrittmacher-Patienten jedoch enorm: Arne Larsson starb erst 2002 im gesegneten Alter von 86 Jahren. Ein Herzschrittmacher wird notwendig, wenn das Herz zu langsam schlägt. Das wenige Zentimeter große Gerät stimuliert mithilfe von elektrischen Impulsen den Herzmuskel und unterstützt so das Organ dabei, wieder regelmäßig zu pumpen.

Die Schleusentore öffnen
Eine Schlüsselrolle im Herzkreislauf kommt den Herzklappen zu. Über 350 Millionen Mal im Jahr schleusen sie durch rhythmisches Öffnen und Schließen das Blut durch die Herzkammern und -vorhöfe. Sind die Herzklappen nicht mehr durchlässig genug – etwa aufgrund einer Entzündung oder Verkalkung –, gelangt nicht mehr ausreichend Blut in den Kreislauf. Die Folge ist Herzinsuffizienz, die zum Herzstillstand führen kann. In vielen Fällen ist der Einsatz einer künstlichen Aortenklappe die einzige Möglichkeit, einem Betroffenen zu helfen. Bahnbrechende Innovationen aus der jüngsten Vergangenheit sind die mitwachsende Herzklappe für Kinder oder der minimalinvasive Ersatz der Aortenklappe über einen Katheter für besonders kranke ältere Menschen, die eine Operation am offenen Herzen nicht überleben würden.

Botschaften aus dem Herzen
High-Tech für das Herz rettet Leben. Aber auch nach der Implantation müssen die Geräte weiterhin überwacht und regelmäßig kontrolliert werden. Einen medizintechnischen Meilenstein setzt hier die Telekardiologie. Das Implantat überträgt dabei die entsprechenden Herzdaten an ein kleines, externes Patientengerät, das am Gürtel getragen werden kann oder auf dem Nachttisch steht. Es sendet die Daten über die Telefonleitung oder das Mobilfunknetz automatisch die entsprechenden Herzdaten an den behandelnden Arzt – für die Patienten eine enorme Erleichterung.

Perspektiven für Innovationen geben
Für die Unternehmen der Medizintechnologie gehört zu einem starken Heimatmarkt eine Gesetzliche Krankenversicherung mit funktionierendem Wettbewerb und einer schnellen Einführung von medizinischen Innovationen. Wir benötigen eine gemeinsame strategische Ausrichtung von Industrie, Wissenschaft und Politik auf Innovationen in der Medizintechnik. Wirtschafts-, Forschungs- und Gesundheitsministerium müssen sich stärker koordinieren und Perspektiven für Innovationen geben – zum Wohle der Patienten.

Joachim M. Schmitt ist Geschäftsführer und Mitglied des Vorstands des Bundesverbandes Medizintechnologie (BVMed) sowie Geschäftsführer von MedInform Seminar- und Informations-Service Medizintechnologie mit Sitz in Berlin.

Quelle: Sonderveröffentlichung „Herz-Kreislauf“, Reflex Verlag