Das höchste Gut: die Gesundheit

Karl-Heinz Möller
Karl-Heinz Möller

Müssen wir in Zeiten mit ökonomischen Megakrisen und Superhektik nicht zwangsläufig mehr oder weniger krank werden, physisch und psychisch bald am Ende sein? Ein Wunder, dass dies generell nicht der Fall ist. Offensichtlich verfügt der menschliche Organismus über ein äußerst widerstandsfähiges System und verträgt ein ordentliches Maß an Stress!Betrachtet man allein die vergangenen hundert Jahre, haut die Menschheit so schnell nichts um. Weder ist ein Rückgang der Population zu verzeichnen, noch sinkt die Lebenserwartung. Ganz im Gegenteil: Weltweit wächst die Bevölkerung weiter rasant und das durchschnittliche Lebensalter steigt kontinuierlich, wenn auch regional sehr unterschiedlich verteilt.

Aber ist ein langes Leben gleichzeitig immer ein großes Geschenk oder ein positiver Dreh des Schicksals? Es kommt auf die Lebensqualität an! Idealzustand wäre: gesund zu sein, fit zu bleiben – und dabei gelassen alt werden. Die Realität sieht leider anders aus, beispielsweise weil Herz und Kreislauf nicht mehr gut funktionieren. In diesen Fällen erscheint es ratsam, Chancen und Risiken rechtzeitig zu analysieren und mit professioneller Hilfe den Schaden zu begrenzen. Vielleicht sogar zu reparieren, wenn es eben geht. Am Ende kann dabei wieder ein komfortables und genussvolles Dasein stehen. Nie zuvor haben es Wissenschaft und Medizin den Menschen so leicht möglich gemacht, körperlichen Unzulänglichkeiten und Krankheiten offensiv zu begegnen.

Klingt nach ‚alles im Griff‘. Aber das Problem Nummereins sind wir selbst, und unserer Hang zu ausschweifender Lebensweise in einer materialistisch orientierten Überflussgesellschaft. Denn viele Gründe für das sogenannte „metabolische Syndrom“, auch das tödliche Quartett aus Herz-Kreislauferkrankung, Diabetes, Adipositas und Hypercholesterinämie genannt, sind häufig Folgen von Wohlstand und Massenware. Was wir alles Körper und Seele täglich zumuten: schlechtes Essen, davon zu viel, endloses Stehen oder Sitzen, jede Form von Alkohol, Nikotin, Pillen und anderen Drogen, Stress im Beruf bis zum Burnout, penetrante Beschallung und eine mediale Überdosis. Selbst im Privatleben zählt nur das volle Programm – welch ein gefährliches Spiel!

Grundsteine für das Tempo des Alterungsprozesses werden medizinisch gesehen spätestens ab einem Alter von 30 Jahren gelegt. Allein die richtige oder falsche Ernährung bestimmt den Fortschritt der Arteriensklerose und den Pegel des Blutfettspiegels. Ein paar Zigaretten weniger verlängern dabei nicht nur die Lebenszeit, sondern erhöhen direkt die Lebensqualität. Es ist eine Frage des ‚Wie lebe ich!‘. Schon kleine Lifestyle-Änderungen bringen in der Summe eine signifikante positive Reaktion. Beispielsweise eine Reduktion von Kohlehydraten und Fetten in der Nahrung und gleichzeitig vermehrte Bewegung senken auf lange Sicht die Risiken einer Herz-Kreislauf-Erkrankung und das Auftreten von Diabetes Mellitus.

Gute Medizin hierzulande – weltweit anerkannt auf hohem Niveau – bietet gegebenenfalls eine rettende Therapie für Menschen, die Hilfe benötigen. Gleichwohl ist die beste Medizin, die verführerischen Angebote des Lebens in Maßen zu genießen. Auf die Dosierung kommt es an. Spielräume für eine durchzechte Nacht, das Glas Wein zu viel, die Tüte Chips oder den spontanen Jieper auf Erdbeertorte mit Sahne bietet ein gesunder Körper immer. Nur wer dauerhaft hoch pokert, verliert irgendwann sein höchstes Gut: die Gesundheit.

Karl-Heinz Möller
Chefredakteur Reflex Verlag

Quelle: Sonderveröffentlichung „Herz-Kreislauf“, Reflex Verlag